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Mit dem Laufen anfangen: warum der Anfang langsamer sein sollte, als er sich anfühlt

Kurz gesagt

Laufen braucht wenig Ausrüstung und keinen festen Ort — das macht es zugänglich. Zugleich wirkt bei jedem Schritt ein Vielfaches des Körpergewichts auf Gelenke und Sehnen, und diese Strukturen passen sich langsamer an als Herz und Lunge. Aus diesem Missverhältnis entsteht der häufigste Fehler beim Einstieg.

Zwei Systeme, zwei Geschwindigkeiten

Beim Einstieg verbessert sich die Ausdauerleistung oft schneller, als es sich erwarten lässt. Herz, Kreislauf und Stoffwechsel reagieren zügig; nach wenigen Wochen fühlt sich dieselbe Strecke deutlich leichter an.

Sehnen, Bänder, Knochen und Knorpel folgen diesem Tempo nicht. Ihre Anpassung läuft über Monate, weil ihr Stoffwechsel langsamer ist und weniger Blutgefäße vorhanden sind. Sie brauchen die Belastung, um belastbarer zu werden — aber in kleineren Schritten.

Das erklärt das typische Muster: Nach einigen Wochen fühlt sich das Laufen gut an, der Umfang steigt, und kurz darauf meldet sich eine Stelle, die mit dem Tempo der Steigerung nicht mitgekommen ist. Der Fehler liegt dann nicht im Tag der Beschwerden, sondern in den Wochen davor.

Gehen als Teil des Trainings

Der verbreitetste Einstieg wechselt zwischen Lauf- und Gehabschnitten. Das ist kein Zwischenschritt zum „richtigen" Laufen, sondern eine Methode mit eigener Logik: Die Gehabschnitte senken die Belastungsspitzen, ohne die Gesamtdauer zu verkürzen.

Gesteigert wird, indem die Laufabschnitte länger und die Gehabschnitte kürzer werden — nicht, indem das Tempo steigt. Das Tempo ist beim Einstieg die Variable, die am längsten unangetastet bleiben sollte.

Wann der Übergang zum durchgehenden Laufen sinnvoll ist, lässt sich nicht allgemein sagen. Ein brauchbarer Anhaltspunkt: Wenn die Laufabschnitte ohne Atemnot und ohne Nachwirkungen am Folgetag bewältigt werden, ist die nächste Steigerung tragbar.

Zu schnell ist das Normale

Fast alle Einsteigerinnen und Einsteiger laufen ihre ruhigen Einheiten zu schnell. Der Grund ist nachvollziehbar: Ein wirklich ruhiges Tempo fühlt sich anfangs absurd langsam an, oft langsamer als zügiges Gehen.

Die Sprechprobe ist hier das brauchbarste Werkzeug. Wer beim Laufen keine zusammenhängenden Sätze sprechen kann, läuft für eine Grundlageneinheit zu schnell — unabhängig davon, was die Uhr anzeigt.

Der Nutzen des langsamen Tempos ist doppelt. Es erlaubt längere Einheiten bei geringerer Belastung der noch nicht angepassten Strukturen, und es macht die Einheiten wiederholbar. Wer nach jedem Lauf zwei Tage braucht, kommt auf weniger Umfang als jemand, der ruhiger läuft und dafür öfter.

Schuhe und Untergrund

Zu Laufschuhen gibt es mehr Meinungen als belastbare Daten. Untersuchungen, die Schuhtypen mit Beschwerden in Verbindung bringen sollten, kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen; eine Zuordnung nach Fußform, wie sie im Handel üblich ist, hat sich in Studien nicht als tragfähig erwiesen.

Was sich sagen lässt: Ein Schuh sollte passen und sich beim Laufen unauffällig anfühlen. Ein Wechsel des Schuhtyps verändert die Belastungsverteilung und sollte deshalb nicht mit einer Umfangssteigerung zusammenfallen.

Beim Untergrund gilt Ähnliches. Weichere Untergründe verringern die Stoßbelastung, verlangen aber mehr Stabilisierung; wechselnde Untergründe verteilen die Belastung auf verschiedene Strukturen. Eine allgemeine Rangfolge ergibt sich daraus nicht.

Schrittfrequenz und Laufstil

Zum „richtigen" Laufstil kursieren viele Vorgaben — Fußaufsatz, Körperhaltung, Armführung. Untersuchungen dazu zeigen, dass sich der selbst gewählte Stil bei den meisten Menschen als energetisch günstig erweist: Wer bewusst umstellt, läuft zunächst meist weniger ökonomisch als vorher.

Etwas besser belegt ist der Zusammenhang mit der Schrittfrequenz. Eine sehr niedrige Frequenz geht mit längeren Schritten und einem weiter vorn aufsetzenden Fuß einher, was die Belastungsspitzen erhöht. Eine moderate Erhöhung der Frequenz bei gleichem Tempo verringert diese Spitzen messbar.

Daraus folgt keine Zielzahl. Die häufig genannten Werte stammen aus Beobachtungen an Wettkampfläuferinnen und -läufern und lassen sich nicht auf alle übertragen; die passende Frequenz hängt von Körpergröße, Tempo und Untergrund ab. Als Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert ist sie brauchbar, als absolute Vorgabe nicht.

Krafttraining als Ergänzung

Ergänzendes Krafttraining ist im Laufsport gebräuchlich, und für die Laufökonomie — also den Energieaufwand bei gegebenem Tempo — ist eine Verbesserung in mehreren Untersuchungen beschrieben. Die Effekte sind moderat und treten vor allem bei Belastungen mit höheren Lasten auf.

Für die Frage, ob Krafttraining Beschwerden entgegenwirkt, ist die Datenlage schwächer und uneinheitlich. Plausible Überlegungen gibt es, belastbare allgemeine Aussagen nicht.

Unabhängig davon spricht wenig dagegen: Zwei kurze Krafteinheiten pro Woche kosten wenig Zeit und wirken dem Muskelabbau entgegen, der bei einseitigem Ausdauertraining und geringer Eiweißzufuhr auftreten kann.

Wann Beschwerden kein Trainingsthema mehr sind

Muskelkater nach ungewohnter Belastung ist erwartbar. Anders zu bewerten sind Beschwerden, die während des Laufens auftreten und mit fortgesetzter Belastung zunehmen, die sich auf einen Punkt begrenzen lassen, die ein Gelenk betreffen oder die über Tage bestehen bleiben.

Für diese gibt es keine Trainingsantwort und keinen Ratschlag aus einem allgemeinen Text. Sie gehören ärztlich abgeklärt, bevor weiter an Umfang oder Tempo gedreht wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herz und Kreislauf passen sich schneller an als Sehnen, Bänder und Knochen — daraus entsteht der typische Einstiegsfehler.
  • Der Wechsel aus Lauf- und Gehabschnitten ist eine eigene Methode, kein Notbehelf.
  • Gesteigert werden zuerst die Laufabschnitte, nicht das Tempo.
  • Fast alle Einsteigenden laufen ruhige Einheiten zu schnell; die Sprechprobe ist das brauchbarste Werkzeug.
  • Zur Schuhwahl gibt es mehr Meinungen als belastbare Daten; ein Typwechsel sollte nicht mit einer Umfangssteigerung zusammenfallen.
  • Für die Laufökonomie ist eine Verbesserung durch Krafttraining beschrieben; zur Beschwerdefrage ist die Lage uneinheitlich.

Zuletzt geprüft: 14.08.2026

Von KI erstellt